EXKURSIONEN
 
Wir bieten gut organisierte Exkursionen zu historischen Schauplätzen an. Hierbei profitiert jedes Mitglied von einem vergünstigten Reisekostenbeitrag: Gruppenrabatte für Fahrt- und Unterkunftskosten, Eintritte in Museen, etc.
 

REISEBERICHTE
 
Um die ereignisreichen Reisen nicht zu vergessen, halten wir unsere Eindrücke sowohl schriftlich als auch fotografisch fest. Das Bildmaterial ist in unserer Bildergalerie abrufbar. Im Folgenden sind unsere Reiseberichte aufgeführt.
 
 
Wien - 27. September - 01. Oktober 2017

„Wien, Wien, nur du allein sollst stets die Stadt meiner Träume sein!“ - Exkursion des Fördervereins vom 27. September bis 1. Oktober 2017

Vom 27. September bis 1. Oktober 2017 war der Förderverein für Neuere Geschichte an der Universität Bonn e. V. auf seiner diesjährigen Exkursionsreise in der österreichischen Bundeshauptstadt Wien.
Nach einem angenehmen Flug von Köln/Bonn nach Wien-Schwechat ging es via Bustransfer zum Hotel im neuerrichteten Sonnwendviertel südlich des Hauptbahnhofs Wien. Der erste Programmpunkt auf unserer fünftägigen Fahrt war eine Führung entlang des Hofburg-Areals im I. Wiener Gemeindebezirk. Abschluss dieser Tour war eine Besichtigung der Kapuzinergruft, der Grablege einer Mehrzahl der Habsburgerkaiser, die durch ihre abwechslungsreiche Raum- und Sargkastengestaltung überzeugte. Der Tag wurde mit einem gemeinsamen Abendessen im Brauhaus am Columbusplatz, X. Bezirk abgeschlossen.
Am Donnerstagvormittag ging es mit der Straßenbahnlinie 71 zum Wiener Zentralfriedhof im XI. Bezirk. Die zweitgrößte europäische Friedhofsanlage wurde uns mit einer Führung vorgestellt. Selbstverständlich machten wir als Bonner Gruppe Ludwig van Beethovens Grabstein im Künstler-Ehrenhain unsere Aufwartung. Beethovens ursprüngliche Grabstätte war auf dem später aufgelassenen Wien-Währinger Friedhof. Abschließend ließen wir noch die im Jugendstil errichtete Dr.-Karl-Lueger-Gedächtniskirche, die Hauptkirche des Zentralfriedhofs, auf uns wirken. Vom Südosten der Stadt ging es mit der „Bim“ in ihr Zentrum. Auf dem Programm standen zunächst die Wohnräume Kaiser Franz-Josefs I. und seiner Gattin Elisabeth gen. Sisi in der Amalienburg und im Reichskanzleitrakt der Hofburg. Die Ausstellung des sog. Sisi-Museums erfüllte m. E. die Erwartungen nicht. Bevor es zur nächsten Führung (durch die Staatsoper) weiter ging, pausierte die Gruppe bei Apfelstrudel und Melange im Café der Hofburg vis-à-vis des Denkmals für Kaiser Franz I. (II.). Der im feinsten Wiener Schmäh vorgetragene Rundgang durch die Staatsoper bildete den Abschluss des Tour-Marathons. Wie konnte dieser Tag besser ausklingen als mit jungem Wein („Sturm“) im Heurigen an der Grinzinger Straße?
Der Folgetag begann mit einer Führung durch das Hauptgebäude der Universität Wien an der Ringstraße. Vom Neorenaissance-Wissenstempel ging es ins Heeresgeschichtliche Museum im Arsenal, III. Bezirk - für einige von uns wahrscheinlich der museale Höhepunkt der Exkursion -. In zwei Gruppen unterteilt erhielten wir jeweils eine Führung durch die Ausstellungsbereiche zur zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts sowie zum Ersten Weltkrieg. Wie auch schon bei den vorangegangenen geführten Touren waren es diskussionsreiche und wissbegierige Stunden. Vom ehem. Kasernengelände spazierten wir durch den Schweizergarten in zehn Minuten zum Oberen Belvedere. Dieser für die Zweite Österreichische Republik so geschichtsträchtige Ort beherbergt einen Teil der Österreichischen Nationalgalerie. Vor allem die Werke Gustav Klimts waren Teil der dortigen kunsthistorischen Führung. Mit dem Canaletto-Blick auf die Innenstadt wurden wir in die Freizeit entlassen. Der größte Teil der Reisegruppe suchte den Spittelberg im XII. Bezirk zum Abendessen auf.
Am Samstag fuhren wir mit der U-Bahn zur Sommerresidenz der Habsburger: Schloss Schönbrunn. Hier wurden die Wohn- und Schlafräume Maria Theresias, Kaiser Franz-Josefs I. und anderer Mitglieder der Herrscherfamilie besichtigt. Anschließend wurden wir bei bestem Kaiserwetter durch einen Teil des Schlossgartens (Gloriette, Kronprinzengarten, Neptunbrunnen und Römische Ruine) geführt. Bis zum gemeinsamen Abschlussessen in einer Gastwirtschaft im Kahlenbergerdorf, XIX. Bezirk, gab es nochmals die Gelegenheit die Stadt und ihre städtebauliche Diversität abseits des imperialen Zentrums zu erkunden.
Den Tag der Abreise nutzten die meisten Teilnehmer, um eigenständig entweder weitere Sehenswürdigkeiten aufzusuchen oder einfach die Donaumetropole auf sich wirken zu lassen. Alles in allem war es eine schöne Gruppenreise, deren Programm das gemeinschaftliche wie individuelle Erkunden der Stadt und ihrer Grätzl erleichterte. Viele von uns werden wiederkommen.
 
 
Nürnberg - 22.-23. April 2016
Nürnberg-Exkursion 22.-23. April 2016

In den Morgenstunden des 22. April 2016 machte sich Herr Prof. Dr. Geppert mit einigen Studenten auf den Weg nach Nürnberg, um im Rahmen einer zweitägigen Exkursion verschiedene Sehenswürdigkeiten der mittelfränkischen Metropole zu besuchen. Die Kernpunkte unserer Exkursion beschäftigten sich hierbei mit nationalsozialistischen Themen.

Um 7 Uhr traf sich unsere Gruppe am Hofgarten der Universität Bonn zusammen. In nur wenigen Stunden kamen wir mit dem Uni-Bus in Nürnberg an. Nachdem die Zimmer bezogen waren und kurze Zeit im Hotel verweilt wurde, fanden wir uns vor unserem Quartier ein. Der erste Programmpunkt sah einen Rundgang durch die Altstadt vor. Um 13 Uhr trafen wir auf Herrn Heinz Schuster vom Verein „Geschichte für alle e.V.“, der uns mit bestem Engagement durch die Stadt begleiten sollte. Die Führung begann an einer der vielen Brücken der historischen Stadtmauer, über welche wir in den berühmten Handwerkerhof gelangten. Inmitten der schönen Fachwerkhäuser, die im mittelalterlichen Baustil gänzlich restauriert wurden, bieten dort einige Handwerker und Künstler verschiedene Ware an. Herr Schuster informierte uns über den ehemaligen Waffenhof und die Geschichte der Stadtmauer. Die Stadtbefestigung litt wie auch sämtliche andere innerstädtische Bauwerke arg unter den Bombardements der Alliierten im Zweiten Weltkrieg. Die Luftangriffe der amerikanischen und britischen Streitkräfte legten insgesamt etwa 90 Prozent der Stadt in Trümmer. Die Mauer ist demnach nicht im Originalzustand verblieben, wurde jedoch inzwischen vollständig restauriert. Auf dem Weg zum Stadtzentrum kamen wir am Museum für Kunst und Design vorbei. Unsere Begleitung unterrichtete uns von dem vielseitigen Bildungs- und Kulturangebot Nürnbergs. Den nächsten längeren Halt machten wir vor der evangelischen St. Lorenzkirche. Der hochgotische Bau befindet sich im touristischen Kern der Stadt, dem Lorenzplatz. Im belebten Stadtzentrum befinden sich unzählige Restaurants und Geschäfte. Nachdem wir uns ein wenig umgesehen hatten, bewegten wir uns am Ufer entlang der Pegnitz, bis wir schließlich über den Henkersteg auf die Maxbrücke gelangten. Herr Schuster informierte uns mit vielen Anekdoten über die mittelalterliche Entstehungsgeschichte der Altstadt. Bergauf gelangten wir schließlich zum pittoresken Burgviertel, in welchem sich auch das bekannte Dürer-Haus befindet. Auf dem Weg zurück in die Innenstadt, gegen 15 Uhr, trennte sich die Gruppe, um Nürnberg in kurz verbleibender Zeit auf eigene Faust zu erkunden.

Das Nachmittagsprogramm sollte sich mit den „Nürnberger Prozessen“ beschäftigen. Pünktlich um 16 Uhr fanden wir uns vor dem Justizgebäude ein, welches heute in den obersten Etagen ein Dokumentationszentrum mit Dauerausstellung beherbergt.

Eine kompetente junge Dame führte uns durch die multimedial gut aufbereitete Ausstellung, die einen Bogen von den Genfer Konventionen bis hin zur aktuellen Arbeit des Internationalen Strafgerichtshof spannt. Die Prozesse und Verurteilungen der nationalsozialistischen Elite in den Jahren 1945 und 1946 markieren einen weltgeschichtlich bedeutsamen Meilenstein auf internationaler strafrechtlicher Ebene. Wir erfuhren einiges über die Entstehung der Prozessrichtlinien und deren Relevanz für die unterschiedlichen Urteilsfindungen. Nachdem wir über die Nachfolgeprozesse diskutiert hatten, warfen wir einen Blick in den „Saal 600“, in dem heute immer noch Recht gesprochen wird. Im Rahmen der Kriegsverbrecherprozesse wurde der Raum umgebaut, sodass er neben den Angeklagten und Juristen auch internationale Journalisten und Besucher fassen konnte. Heute ist der Saal aufgrund erneuter Umbauten kaum mehr wiederzuerkennen. Dennoch war es für uns sehr interessant den historischen Ort besichtigen zu können. Nach einem eindrucksvollen Tag kehrte unsere Gruppe wieder zurück zum Hotel. Bei einem Glas Wein und gutem Essen verbrachten wir einen schönen gemeinsamen Abend.

Für den Folgemorgen sah unser Programm einen Besuch mit einschließlicher Führung über das ehemalige Reichsparteitagsgelände vor. Die NSDAP hatte die einst sozialdemokratisch geprägte Arbeiterstadt in einen nationalsozialistischen Festort mit pompösen Monumentalbauten verwandelt. Von jenem Größenwahn zeugen heute noch diverse Baureste. Unsere Begleitung zeigte uns vor der gemeinsamen Begehung des Geländes anhand einer Karte die verschiedenen Plätze und Bauten auf dem Feld. Beim anschließenden Rundgang skizzierte Herr Schwarz die charakteristischen Abläufe der „Reichsparteitage“. An der „Kongresshalle“, die unvollendet blieb, gelangten wir vorbei an der sogenannten „Großen Straße“ hin zur Zeppelintribüne. Im Inneren der Tribüne versammelten wir uns um eine Feuerschale und diskutierten gemeinsam über das historische nationale Erbe. Es war äußerst beeindruckend, die nationalsozialistische Architektur aus unmittelbarer Nähe betrachten zu können. Sie lässt zweifelsohne einen Zusammenhang mit der Machtausübung der Nazis und Propaganda erkennen. Der Besuch des „Reichsparteitagsgeländes“ vergegenwärtigte uns, auf welche unselige Art und Weise die Stadt Nürnberg von der terroristischen Herrschaft geprägt wurde. Auf der Heimreise machten wir einen kurzen Zwischenstopp in Würzburg. Hier besuchten wir die Räumlichkeiten der Würzburger Residenz. Das zum Weltkulturerbe gehörende barocke Bauwerk faszinierte alle Teilnehmer. Leider war es uns aufgrund des Zeitdruckes nicht möglich, eine Führung durch die Räumlichkeiten mitzunehmen.

Die Exkursion nach Nürnberg, gefördert vom Verein für Neuere Geschichte an der Universität Bonn e.V., war für alle Teilnehmer eine Bereicherung. Gerne erinnern wir uns an die gemeinsam verbrachten Tage und Erlebnisse zurück.

 
 
Schlesien - 12.-17. April 2016
„Auf den Spuren deutsch-polnischer Erinnerungsorte“

In der Frühe des 12. April 2016 brach Herr Dr. Christoph Studt nun schon zum vierten Mal mit Studenten in Richtung Niederschlesien auf. Dieses Mal sollte die Reise ganz im Zeichen deutsch-polnischer Erinnerungsorte stehen. Das Programm war wie in den Vorjahren breit gefächert und in wesentlichen Facetten an eine vorausgegangene Übung zum Thema im Wintersemester 2015/16 angelehnt. Ziel der Exkursion war es, den Mitreisenden Einblicke in die deutsch-polnische Geschichte Schlesiens zu ermöglichen.

Als erster Programmpunkt auf unserem Weg nach Morawa/Muhrau war ein zweistündiger Zwischenaufenthalt in der selbstproklamierten Europastadt Görlitz/Zgorzelec vorgesehen, wo wir gegen 15.00 Uhr eintrafen. Dort wurden wir sehr herzlich von Michael Winter empfangen, der uns bei einem Rundgang durch das schöne mittelalterliche/frühneuzeitliche Stadtinnere begleitete. Im Rahmen der Führung bekamen wir viele Sehenswürdigkeiten der seit 1945 zweigeteilten Grenzstadt zu Gesicht. Gemeinsam spazierten wir vorbei am berühmten Görlitzer Warenhaus, durch die Altstadt, vorbei an der Pfarrkirche St. Peter und überquerten schließlich die Neiße. Die Begleitung von Herrn Winter war wegen vieler erzählten Anekdoten lebendig gestaltet und vermittelte kontrastreiche Eindrücke. Görlitz rückt wegen seines vielseitigen und kulturellen Angebotes immer mehr ins Bewusstsein des Tourismus. Die Bürger sind stolz auf ihre Stadt, die sich in den letzten Jahren als „Kulisse“ einen Namen in der internationalen Filmbranche gemacht hat. Dennoch birgt „Görliwood“ einige innerstädtische Problematiken, denn es herrscht nach wie vor ein enormes soziales Gefälle zwischen den beiden Stadthälften. Insgesamt gelang es Herr Winter jedoch, uns ein positives Bild der Stadt zu vermitteln. Allein die Erfahrung in einer Stadt eine Brücke zu überqueren und damit bereits in einem anderen Land zu sein, war für viele für uns ein besonderes Ereignis.

Gegen 17.00 Uhr begaben wir uns wieder in Richtung Bus, der uns schließlich zu unserem Quartier „Palac Morawa“, einen großen ehemaligen Gutshof, befördern sollte. Dort angekommen, bezogen wir die für unsere Gruppe vorgesehenen Zimmer und ließen den Abend nach gemeinsamer Stärkung in entspannter Atmosphäre im Kaminzimmer ausklingen.

Am Folgemorgen besuchten wir nach dem Frühstück den in die Anlage integrierten Kindergarten. Diese Einrichtung hat es sich zur Aufgabe gemacht, Kinder aus sozial schwächeren Familien der Umgebung zu unterstützen. Er wird ausschließlich durch Spendengelder finanziert. In den vergangenen Jahren ist unser Besuch dort zur Tradition geworden. Dementsprechend wurden wir mit Gesang und Tanzeinlagen herzlich begrüßt. Jedes Kind erhielt ein Pappköfferchen mit Bonner Süßigkeiten, was auf große Begeisterung stieß. Anschließend stand der Besuch des ehemals Moltkeschen Gutes in Kreisau/Krzyowa auf dem Programm. Auf dem Weg dorthin machten wir einen kurzen Zwischenstopp in Swidnica/Schweidnitz, um die berühmte Friedenskirche „Zur Heiligen Dreifaltigkeit“ zu besichtigen. Das zum Weltkulturerbe gehörende sakrale Bauwerk wurde im 17. Jahrhundert erbaut, um den Protestanten, die bis zu den Schlesischen Kriegen 1742 im katholischen Habsburgerreich in der Minderheit lebten, einen Betort zu schaffen. Nicht umsonst zählt die größte Fachwerkkirche Europas zu einer der bekanntesten Sehenswürdigkeiten Niederschlesiens. Von außen betrachtet, würde man das imposante Innere mit Plätzen für 7500 Gläubige und den sich darin befindenden Prunk kaum vermuten. Nachdem wir dort einige Informationen zur Baugeschichte gehört hatten, ging es durch die umliegende Park- und Friedhofsanlage wieder zurück zum Bus.

Gegen 11 Uhr empfing uns dann Dominik Kretschmann - für einige von uns ein bereits bekanntes Gesicht uns seines Zeichen Leiter der Gedenkstätte in Kreisau - auf den Anlagen des ehemaligen Gutes der Grafen von Moltke. Auf den Spuren deutsch-polnischer Erinnerungsorte stellte der Besuch der „Stiftung Kreisau für europäische Verständigung“, die aus dem Erbe der Familie Moltke erwuchs, einen elementaren Punkt innerhalb unseres Programmes dar. Die Stiftung, die an Widerstand und Opposition in Europa erinnert, setzt sich heute auf dem aufwendig restaurierten Gutsgelände, für europäische Verständigung und Zusammenarbeit ein. Herr Kretschmann machte uns im Rahmen eines Rundganges mit den verschiedenen Funktionen Gebäuden vertraut und klärte uns über den Wiederaufbau des Hofes auf. Der Gutshof war in den Jahren nach Kriegende enorm in Verfall geraten, sodass kein Gebäude mehr im Originalzustand verbleiben konnte. Vom Herzen der der Anlage, wo am 12.11.1989 die berühmte deutsch - polnische Versöhnungsmesse stattfand, bei welcher sich Bundeskanzler Kohl und der polnische Ministerpräsident Mazowiecki zum Zeichen des Friedens umarmten, spazierten wir in Richtung Berghaus. Hier lebten Helmut James und Freya von Moltke gemeinsam zu Tagen des Nationalsozialismus. Beide leisteten im Rahmen der Gruppe „Keisauer Kreis“ Widerstand gegen Hitler und dessen terroristisches Regime. Helmuth James Graf von Moltke, der neben Peter Graf Yorck von Wartenburg als Kopf der Widerstandsgruppierung fungierte, hatte in den Jahren 1942 und 1943 mit seinen Mitdenkern („Wir werden gehenkt, weil wir zusammen gedacht haben“) drei Zusammenkünfte organisiert, bei welchen ein Programm der Neuordnung für ein Deutschland nach Hitler diskutiert worden war. Am Berghaus angekommen, warfen wir zunächst einen Blick auf den dort aufgestellten Stammbaum. Die Söhne Moltkes und seine Frau überlebten den Zweiten Weltkrieg und wanderten im Jahr 1947 nach Südafrika, später in die U.S.A. aus. Wir erfuhren von der aktiven Beteiligung der Familie an der Umwandlung des Gutes Kreisau in eine internationale Begegnungsstätte und gelangten schließlich in das Innere des Häuschens. Im ehemaligen Tagungsraum saßen wir eine Weile zusammen und sprachen über das Vermächtnis der Widerstandsbewegung. Das Berghaus fungiert heute als Gedenkstätte und bietet Raum für aktuelle Debatten am historischen Ort.

Gegen Mittag brach unsere Gruppe wieder in Richtung Gutshof auf, um sich dort im ehemaligen „Kuhstall“ der heute als Speisesaal dient, zu stärken. Im Anschluss besuchten wir die Freiluftausstellung „Mut zur Versöhnung“. Sie soll an die Friedliche Revolution erinnern und wurde anlässlich des 25. Jubiläums der deutsch-polnischen Messe von Frau Merkel und Frau Kopacz feierlich eröffnet. Der Ausstellungsbesuch war interessant und das Konzept sehr ansprechend: „Versöhnung bedeutet, sich des Hasses zu entledigen, menschliche Beziehungen anzuknüpfen. Dialog bedeutet, einander anzuhören: „Wo Versöhnung ist, ist auch Dialog.“(Kazimierz Czaplinski) Herr Kretschmann berichtete ferner vom aktuellen Selbstverständnis der Stiftung. Kreisau ist heute ein Ort der Begegnung, der Raum für interkulturelle Kommunikation bietet und dazu einlädt, sich Vergangenes zu vergegenwärtigen.

Am späten Nachmittag war ein weiterer Halt im wenig entfernten Reichenbach/Rychbach auf dem Programm. Wir besuchten dort die Synagoge des malerischen Städtchens, die als Einzige im umliegenden Kreis den Nationalsozialismus unbeschadet überstanden hat. Herr Kretschmann, der uns auch dorthin begleitete, unterrichtete uns von der Geschichte des Betorts und von einer einst lebendigen jüdisch-deutschen Gemeinde. Das Bethaus blieb vom Novemberpogrom 1938 verschont, da es von einem „Arier“, dem Gärtner der jüdischen Gemeinde, Konrad Springer, rechtzeitig erworben und somit nichtjüdisches Eigentum geworden war. Obwohl sich in jüngster Vergangenheit eine Stiftung, diversen Restaurationsmaßnahmen angenommen hat, fehlt – wie an so vielen Orten – auch hier das Geld an allen Ecken. Ziel ist es, das geschichtsträchtige Haus als Bildungszentrum aufrecht zu erhalten und jüdisch-polnischen Austausch zu fördern.

Der Abend wurde durch einen Besuch des jüdischen Friedhofes im Ort komplettiert. Der Besuch dort war sehr spannend. Einige aus dem 19. Jahrhundert stammenden Gräber sind mittlerweile von der Natur „überwältigt“ worden. Der in den 1820er Jahren errichtete Friedhof erinnert mit einer Vielzahl an Gräbern, an die ehemals in Reichenbach lebende jüdische Gemeinde.

Nach einem ereignisreichen Tag kehrten wir schließlich gegen Abend wieder in unser Quartier zurück. Nach dem Abendessen fand sich unsere Gruppe gemeinsam zum Gespräch mit der Hausherrin „Pani Melitta“, der Anfang der 90er Jahre auf dem elterlichen Gut zurückgebliebenen Tochter des letzten deutschen Besitzers, am Kamin zusammen. In gemütlicher Atmosphäre berichtete sie von ihrem außergewöhnlichen, ereignisreichen Leben zwischen Morawa/Muhrau und Angola. Frau Melitta Sallai ist Zeugin vieler politischer Umbrüche gewesen und in der Welt viel herumgekommen. Sie erlebte als Jugendliche den Nationalsozialismus mit, die Besetzung Deutschlands durch die Alliierten, die darauffolgende kommunistische Herrschaft in Polen, die mit der Friedlichen Revolution endete und auch für Polen den Weg in eine parlamentarische Demokratie ebnete. Ihre unterhaltsamen Erzählungen aus verschiedenen Lebensabschnitten haben uns enorm bereichert. Besonders erfreulich war, dass sie sich auch für unsere Fragen interessierte und mit offenem Ohr lauschte.

Am Donnerstagmorgen machten wir uns auf nach Oberschlesien. Auf dem Weg dorthin nahmen wir unterwegs Herrn Dr. Piotr Przybyla auf, der uns mit bestem Engagement durch den Tag begleitete. Gegen Mittag erreichten wir den St. Annaberg – den bekanntesten katholischen Wallfahrtsort Schlesiens. Im Bus hatte uns Herr Przybyla bereits mit einigen historischen Konflikten, die den Ort in den vergangenen Jahrhunderten prägten, vertraut gemacht. Wir besichtigten den sogenannten Paradieshof und die Klosterkirche. Bei einem Rundgang über das weitläufige Gelände bekamen wir genauere Einblicke in die historisch-politischen Ereignisse um das Jahr 1921 und die schlesischen Aufstände. Wir besuchten das monumentale „Denkmal der aufständischen Tat“, welches sich heute auf dem Platz eines Vorgängerdenkmals für die deutschen Freikorps befindet. Das bescheidene Wetter an diesem Tag zwang unsere Gruppe, zu früherem Aufbruch. Dennoch konnten wir einige lehrreiche Impressionen gewinnen. Auf der Weiterfahrt nach Oppeln / Opole wurde weiter über die Symbolhaftigkeit des St. Annaberg und über den Kampf zwischen Deutschen und Polen diskutiert. In Oppeln angekommen, besuchten wir das Zentrale Kriegsgefangenenmuseum, welches sich auch mit Fragestellungen zu den Nachkriegslagern im Oppelner Umland beschäftigt. Im selben Gebäudekomplex, der ehemals eine Mälzerei beherbergte, befindet sich heute auch eine Wissenschafts- und Forschungsabteilung. Anschließend führte uns Herr Przybyla kurz durch das wenig belebte Stadtzentrum, sodass wir uns einen Überblick über die Stadt an der Oder verschaffen konnten. Leider mussten wir uns wegen fehlender Zeit und schlechtem Wetter gegen einen vorhergesehenen Programmpunkt entscheiden. Das eigentliche Ziel des Tages sah einen Besuch des Internierungslager Lamsdorf/ Lambinowice vor. Dort waren nach 1945 deutsche Vertriebene bzw. zu Vertreibende unter miserablen Bedingungen inhaftiert.

Der Freitag sah einen Besuch des Riesengebirges mit verschiedenen Zielen vor. Zuerst besichtigten wir das Haus Wiesenstein – die Privatresidenz des Schriftstellers und Literaturnobelpreisträgers Gerhard Hauptmann. Eine freundliche junge Dame führte uns durch die Räumlichkeiten und zeigte uns die beeindruckenden Wandgemälde des Hauses. Im Anschluss daran sahen wir Kurzfilme, in welchen Herr Hauptmann aus seines Werken las. Der Besuch gefiel gut und veranschaulichte die Lebensumstände des sich nicht zuletzt äußerlich zum Nachfolger Goethes stilisierenden Schriftstellers. Der Bus brachte uns von dort aus bergauf Richtung Karpacz/Krummhübel. Nach einem kurzen Fußmarsch gelangten wir zur Holzkirche „Wang“, die im 12. Jahrhundert in Norwegen erbaut worden war, bis sie schließlich 1842 auf Veranlassung des preußischen Königs Friedrich Wilhelm IV. ins Riesengebirge verschifft und dort wiederaufgebaut wurde. Die Konstruktion der Kirche, bei der es keines einzigen Nagels bedurfte, ist schlichtweg beeindruckend. Ganz zu schweigen von ihrer Innenausstattung, die sich aufgrund wunderschöner Schnitzereien als wahres Kunstwerk erweist. Ebenso sehenswert war der Ausblick über das Hirschberger Tal und die umliegenden Bergketten. Nachdem wir einige Fotos geschossen und die fantastische Aussicht genossen hatten, verbrachten wir den Nachmittag in gemeinsamer Runde bei einem verspäteten Mittagessen mit anschließender Kaffeetafel in „Camp 66“, wo wir hervorragend bekocht und verwöhnt wurden. Dieser Aufenthalt konnte nicht zuletzt zeitlich gestreckt werden, da aus einem Aufstieg auf die Schneekoppel aus Wettergründen und wegen Bauarbeiten an der Seilbahn nichts wurde. Immerhin bekam man vom Bus aus zumindest einen Eindruck von der Schönheit und Vielseitigkeit der Riesengebirgslandschaft. Als nach der Rückreise nach Morawa wieder Abendessen auf dem Programm stand, fasste der ein oder andere den Entschluss zu fasten. Am Abend tauschten wir uns über Erlebtes aus, lauschten Herr Gocke beim virtuosen Klavierspielen.

Der vorletzte Tag beinhalte einen bereits fest im Programm verankerten Kernpunkt der Reise: Breslau/Wroclaw. Renata Bardzik – Milosz, unsere kompetente Begleitung während der gesamten Woche, führte uns entlang der Dominsel, wo wir uns die verschiedenen Kirchen und umliegend Plätze genauer ansehen konnten. Wir verweilten am Denkmal für den Breslauer Kardinal („Wir vergeben und bitten um Vergebung“) und sprachen über langwierige deutsch – polnische Aussöhnung. Vom Zentrum der politischen und religiösen Historie der Stadt gelangten wir zum Hauptgebäude der der Universität Breslau. Dort schauten wir uns im Museum der Universität ein wenig um und durften einen Blick in den mittlerweile restaurierten Musiksaal werfen. Die repräsentative Aula war leider wegen einer Festveranstaltung nicht zugänglich gewesen. Danach gab es eine große Portion Mittag für jeden in der naheliegenden Mensa. Anschließend konnte jeder ein wenig die Stadt auf eigene Faust erkunden. Einige schlenderten über den historischen Marktplatz am Rathaus vorbei, andere gingen durch das jüdische Viertel. Zuletzt besuchten wir – wieder gemeinsam - eines der Wahrzeichen der Kulturmetropole Breslau: Die Jahrhunderthalle von 1913. Das riesige Monument aus Beton und Stahl wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts erbaut und verfügte seinerzeit über die größte freitragende Kuppel der Welt. Heute wird die Halle für diverse Veranstaltungszwecke – vom Konzert bis zum Boxevent - genutzt. Am Abend saßen wir ein letztes Mal gemeinsam am Kamin. Es wurden Worte des Dankes an diejenigen gerichtet, die die diesjährige Exkursion aufgrund vorbildlicher Organisation zu einem besonderen Erlebnis gemacht haben. Weiter wurden Schlussfolgerungen gezogen und persönliche „Highlights“ diskutiert.

Am Sonntagmorgen standen die Zeichen auf Abschied. Nachdem die Koffer verladen und die Zimmerschlüssel abgegeben waren, begaben wir uns in den Bus, der uns nach ereignisreichen Tagen wieder nach Bonn schaukeln sollte. Einen letzten Halt hatte das Programm nordöstlich von Fulda bei Geisa vorgesehen. Wir besuchten den dort gelegenen „Observation Point Alpha“, an dem sich zu Zeiten des Kalten Krieges der Warschauer Pakt und die Nato Auge um Auge gegenüberstanden. Wir nutzten die Gelegenheit, das außerordentlich gut gestaltete, multimedial aufbereitete Grenzmuseum zu besuchen. Die dort ansässige Dauerausstellung, befasst sich mit der Konfrontation der westlichen und östlichen Militärblöcke, dem Eisernen Vorhang im Kalten Krieg, der die Menschen im Grenzgebiet voneinander trennte. Anschließend schauten wir uns die ehemaligen Anlagen der US-Army an. Hier sind heute verschiedene Gerätschaften ausgestellt, die an jene Zeit erinnern, in welcher ein dritter Weltkrieg hätte ausbrechen können.

Am späten Abend kamen wir nach langer Fahrt müde und erschöpft wieder in Bonn an. Zweifelsohne war die Fahrt unglaublich informativ und lohnenswert. Die Suche nach den Bäumen mit deutschen Wurzeln und polnischen Blättern, wie Herr Studt schön zitierte, war gewiss eine Bereicherung für alle Teilnehmer und sicher wird es nicht die letzte Reise nach Schlesien gewesen sein. Alleine die Tatsache, dass es Studenten gibt, die bereits ein drittes Mal in Folge mitgefahren sind, spricht für sich...

 
 
London - 24.-27. September 2015
"Auf den Spuren Winston Churchills"

Der Förderverein Neuere Geschichte an der Universität Bonn e.V. begab sich am 24. September 2015 im Rahmen einer Londonexkursion auf die Spuren Winston Churchills.

Am Donnerstagmorgen des 24. September fanden wir uns am Flughafen Köln/Bonn ein. Unmittelbar nach der Ankunft in London Stansted gelangte unsere Gruppe zum Bustransfer. Der erste Programmpunkt war die Besichtigung von „Chartwell Manor“, dem ehemaligen Wohnsitz Churchills. Das viktorianische Anwesen, welches auf den North Downs – Hügeln der Grafschaft Kent gelegen ist, ermöglichte es uns eine Einsicht in die Lebenswelt des Politikers und seiner Familie zu gewinnen. Der Wohnsitz und seine bewaldete Umgebung machte trotz bescheidenen Wetters einen prachtvollen Eindruck: Weitläufige Parkanlagen, gespickt mit Rosengärten und Teichen. Nachdem sich die Gruppe umgesehen hatten, fanden wir uns zur Besichtigung der Wohnräume des Hauses wieder zusammen. Die Zimmer erlaubten einen originalgetreuen, intimen Einblick in die Vergangenheit und das Privatleben des Staatsmannes - „Ein Haus mit Charakter“. Anschließend ergab sich die Möglichkeit im „Landemare Café“ Mittag zu essen oder den nebenan gelegenen Giftshop zu besuchen. Der Bus brachte uns nach diesem eindrucksvollen Tagesbeginn zu dem, in Westlondon gelegenen Hotel „Ibis Earls Court“. Nachdem die Zimmer bezogen waren, konnte die Umgebung individuell erkundet werden. Verschiedene Sehenswürdigkeiten ließen sich von dort aus in nur wenigen Minuten mittels der Londoner Underground erreichen. Wem nach der langen Anreise nach Bewegung war, konnte sich zu Fuß im umliegenden Viertel umsehen, welches eine Vielzahl an verschiedenen Restaurants und Pubs bot. Zum Abendessen fand der Förderverein wieder zusammen, um den ersten gemeinsamen Tag in entspannter Atmosphäre ausklingen zu lassen.

Nach einem typisch britischen Frühstück am Folgemorgen, besuchten wir das Imperial War Museum. Es gilt als eines der renommiertesten militärgeschichtlichen Museen weltweit und stellt zweifelsohne eine der Hauptsehenswürdigkeiten Londons dar. Wir verbrachten einige Stunden in den verschiedenen weltkriegsübergreifenden Ausstellungen, die sich durch eine enorme Vielfalt an Exponaten auszeichnen. Das Museum ist auf allen vier Etagen multimedial aufbereitet. Audiovisuelle und interaktive Elemente geben dem Besucher das Gefühl einen Einblick in die Kriegsmentalität gewinnen zu können. Da der restliche Tag zur freien Tagesgestaltung gedacht war, trennten sich die Wege der Vereinsmitglieder im Anschluss an den Besuch im IWM. Aufgrund des sonnigen Wetters wanderten einige entlang der Themse, besuchten diverse touristische Attraktionen oder weitere Museen.

Am Samstagmorgen machte sich die Exkursionsgruppe auf nach Westminster. Der Tag sollte mit der Besichtigung der „Churchill Warrooms“ beginnen. Der außerordentlich interessante Besuch erlaubte uns eine Zeitreise in den Zweiten Weltkrieg. Die engen, düster wirkenden Räumlichkeiten vermittelten einen authentischen Einblick in das Innere der britischen Kriegsführung und veranschaulichten, wie und unter welchen Konditionen das „War Cabinet“ unter Churchill agierte. Zur weiteren Information dienten vom Personal des Museums ausgehändigte Audioguides. Auf den Spuren Churchills war dieser Rundgang für die Mehrheit der Teilnehmer das absolute „Highlight“ der Exkursion.Im Anklang an einen Spaziergang durch den bekannten St. James Park, der uns zu den Pforten des Buckingham Palace führte, fand eine Mittagspause statt. Schließlich versammelte sich unser Verein am frühen Nachmittag vor den„Houses of Parliament“. Eine kompetente Dame führte uns durch den neugotischen Palast, welcher sich in zwei Kammern, das Oberhaus „House of Lords“ und das Unterhaus „House of Commons“ spaltet. Die prunkvollen Räume hinterließen bleibende Eindrücke. Der Höhepunkt der 75-minütigen Führung war die Besichtigung des Plenarsaals im Unterhaus, wo das Parlament bis heute tagt. Obwohl es allen Besuchern strikt untersagt ist, sich auf einer der Bänke niederzulassen, so hatten wir doch alleine des Betretens wegen das Gefühl ein wenig britische Politik einatmen zu können. Ein anschließender Spaziergang durch das Regierungsviertel rundete unser Programm ab. Wie bereits am Vortag hatten nun alle Exkursionsteilnehmer die Möglichkeit, die britische Metropole auf eigene Faust zu erkunden. Die „Oyster Card“ ermöglichte die problemlose Nutzung sämtlicher Verkehrsmittel in London. Somit konnten auch vom Zentrum entfernte Besichtigungsziele in Kürze erreicht werden. Am letzten Abend kehrten wirgemeinsam in einem gemütlichen Restaurant in der Nähe des Hotels ein. Bei einem Glas Wein und gutem Essen tauschten sich die Mitglieder über das Erlebte aus und ließen die vergangenen Tage revue passieren.

Der letzte Morgen begann mit dem Auszug aus dem Hotel, mit welchem im Übrigen alle Teilnehmer sehr zufrieden waren. Wir verließen London und fuhren Richtung Oxford. In der Grafschaft Oxfordshire machten wir zunächst bei „Blenheim Palace“ halt. Der Besuch des Wohnsitzes der Herzöge von Marlborough und Geburtsort Churchills rundete unsere Reise gelungen ab. Vor Ort besichtigten wir einige der 320 Räumlichkeiten und spazierten anschließend durch die gepflegten Parkanlagen des Anwesens. Schließlich begaben wir uns wieder in Richtung Bus und fuhren weiter, um Oxford zu besuchen. Glücklicherweise trafen wir vor Ort auf Christian Nitzschke. Sein Studium der Geschichtswissenschaften begann in Bonn und führte ihn letztlich in die beliebte Studentenstadt, etwa 90 Kilometer nordwestlich von London. Seine Führung durch den Campus war dem Zeitdruck entsprechend kurz, aber dennoch aufschlussreich. Kurz vor Abflug hielten wir am St. Martin`s Churchyard in Bladon. Hier hatten wir die Möglichkeit das Grab Winston Churchills und das seiner Familie zu besuchen. Die Rückreise von London Stansted verlief ohne Komplikationen, sodass wir am 27. September gegen 22 Uhr Bonn wieder erreichten.

Rückblickend war die die Exkursion nach London für jedes Vereinsmitglied eine bereichernde Erfahrung, an die wir uns gerne zurückerinnern.

 
 
Schlesien - 8.-12. April 2015
„Die Suche nach den Bäumen mit deutschen Wurzeln und polnischen Blättern“

Vom 8. bis zum 12. April 2015 ging es nunmehr zum dritten Mal unter der Leitung von Dr. Christoph Studt in Richtung Niederschlesien mit dem Zielort Muhrau. Der Exkursion war wie bei den vorherigen Fahrten eine Übung, diesmal zum Thema „Konzentrationslager im Dritten Reich“ vorausgegangen, welche so auch das KZ-Großrosen, bei Breslau gelegen, beinhaltete.
Das Programm der diesjährigen Exkursion war breit gefächert, so sollten neben den obligatorischen Kernpunkten der Fahrt, wie der Besichtigung des KZs Großrosen, der Stiftung in Kreisau oder des Aufenthalts in Breslau weitere Zwischenstopps an thematisch abwechslungsreichen Orten stattfinden, die einen breitgefächerten Eindruck Niederschlesiens vermitteln sollten.
Um 7 Uhr früh begann unsere Reise mit dem Uni-Bus, der uns von dem Morgentau bedeckten Hofgarten zur pittoresken Grenzstadt Görlitz/Zgorzelec nach neunstündiger Fahrt brachte. Dort empfing uns Dr. Klaus Wolf, ein ehemaliger Student unseres Instituts, der uns durch Görlitz leitete und dabei einige wichtige stadtgeschichtliche Aspekte, so vor allem die komplett erhaltene mittelalterlich/frühneuzeitliche Altstadt präsentierte. Den Stadtrundgang komplettierte der Besuch der Görlitzer Synagoge, welche in der sog. „Reichskristallnacht“ vom 9. auf den 10. November 1938 trotz eines Brandanschlags nicht abgebrannt ist, aber seit der Vertreibung und Vernichtung der jüdischen Gemeinde nicht mehr in ihrer ehemaligen Funktion genutzt worden ist. Der Vorsitzende des Förderkreises Görlitzer Synagoge e.V. Dr. Markus Bauer konnte in einem unterhaltsamen Vortrag zur Bau-, Kultur- und Nutzungsgeschichte auf die überregionale Bedeutung der laufenden Restaurationsarbeiten hinweisen und so einen weiteren interessanten Aspekt zum vielfältigen Erscheinungsbild der Stadt Görlitz, die sich in einer wirtschaftlichen Abseitslage befindet, hinzufügen.
Die anderthalbstündige Weiterfahrt brachte uns schließlich zu unserem Quartier, in das für einige Teilnehmer schon bekannte Schloss Muhrau (Morawa), welches ein Herrenhaus mit Garten- bzw. Parklandschaft meint. Wie immer wurden wir von der „Schlossherrin“ Melitta Salai sehr freundlich empfangen und konnten uns direkt bei unserer Ankunft bei gutem Essen von dem strapaziösen Tag erholen und stärken, um so für den anstrengenden zweiten Tag der Reise, der unter anderem den Besuch des KZs-Großrosen beinhaltete, gewappnet zu sein. Die Führung der nächsten Tage sollte, wie die Jahre zuvor, Renata Bardzik-Milosz übernehmen; auch sie hat bereits in Bonn studiert und die vorherigen Exkursionen fachkundig geleitet.
Das KZ-Großrosen, ca. 60 Km südwestlich von Breslau gelegen, fungierte bei der Errichtung am 2. August 1940 als Nebenlager des KZs Sachsenhausen, bevor es ab dem 1. Mai 1941 ein selbstständiges Konzentrationslager mit eigener Kommandantur wurde. Es beherbergte von 1940 bis Kriegsende rund 130.000 Menschen, von denen ca. 40.000 ermordet und eine nicht zu beziffernde Zahl bei den sog. „Todesmärschen“ bei Kriegsende zu Tode gebracht wurden. Das nahe gelegene Marmorabbaugebiet stellte die Hauptbeschäftigung für viele Gefangene dar, die für das von SS-Unternehmen betriebene Marmorgeschäft arbeiten mussten.
Bei Ankunft an dieser belastenden historischen Stätte begrüßte uns eine Mitarbeiterin des Museums, welche uns zunächst den Lagerplan anhand eines Modells erläuterte, um dann mit der Gruppe die verschiedenen Baracken zu besuchen und ihre Funktionen zu erklären. Nach Besichtigung des Steinbruchs, welcher nur durch primitivstes Werkzeug und Sprengstoff auf Kosten unzähliger Menschenleben entstanden war, ergab sich die Möglichkeit an der Gedenkstätte einen vorher bestellten Kranz niederzulegen und angesichts der nationalsozialistischen Verbrechen einen Moment innezuhalten. So skizzierte Herr Studt in seinem einprägsamen Vortrag den Alltag der Gefangenen folgendermaßen:

„Manch ein Häftling hat, weil er das nicht länger aushalten konnte, den Tod gesucht; manch einer ist in den Tod getrieben worden, wieder andere sind einfach an dieser Behandlung zugrunde gegangen; wenige sind davongekommen und waren für ihre ganze weitere Existenz gezeichnet.“

Unter diesem Eindruck stand die Gruppe vor den dutzenden Begräbnistafeln, dessen Lebensdaten vielfach die schmerzliche Gewissheit prägte, dass das Leben, egal ob Kind oder Erwachsener, ob Frau oder Mann, ob Jung oder Alt, für den Nationalsozialismus keinen Wert besaß, vor dem es Achtung, Respekt und Wertschätzung zu haben galt. Der Rassenwahn bildete die Basis für diesen grauenvollen Ort und schilderte uns Historikern, dass „wir die Pflicht [haben], [die Geschichte] sorgfältig aufzuarbeiten, sie unter Benennung der Verantwortlichen im allgemeinen Bewußtsein zu halten, damit nicht das wahr wird, was Primo Levi – aus eigener Erfahrung – als seine bittere Gewißheit formuliert hat: ‚Es ist passiert und es kann wieder passieren!‘“, wie Herr Studt formulierte.
Gegen Mittag erfolgte nach der gesamten Besichtigung des weitläufigen KZ-Geländes die Weiterfahrt mit dem Bus, welcher uns über den Ort Landeshut nach Grüssau brachte. In Landeshut hielt der Bus kurz an einer Filialeinrichtung des KZs Großrosen und fuhr dann weiter zur barocken Josephskirche in Grüssau, welche durch ihren barocken Prunk großen Eindruck auf alle Beteiligten machte und einen positiven Gegenpart gegenüber den negativen Themen des Vormittags darstellte. Der polnische Wallfahrtsort, der seit 1997 durch die Krönung des Gnadenbildes Papst Johannes Paul II. nationale Tragweite erfuhr, steht ebenfalls wie viele historische Gebäude Schlesiens im Zeichen wechselnder Herrschaftsverhältnisse, Nationen und Sprachen. Das religiöse Leben spielt so im Gegensatz zu Deutschland eine immens wichtige Rolle im überwiegend katholischen Polen, so auch die Heiligenverehrung des Papstes Johannes Paul II. Mit hungrigem Magen folgte nun die Fahrt ins Eulen- bzw. Warthagebirge, in welchem die Tunnelsysteme aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs (Komplex Riese) besucht werden sollten. Zuvor wurde jedoch ein Zwischenstopp in dem ehemaligen Kurort Gabersdorf gemacht. Der Kurort macht seiner Vergangenheit noch immer alle Ehre, auch hier ist der ehemalige Glanz früherer Tage zu spüren, so kann man unzählige Sanatorien aus der Zeit der Jahrhundertwende bestaunen, die sich momentan im Restaurierungszustand befinden. In einem weitestgehend fertiggestellten Anwesen konnten wir dann unser Mittagessen zu uns nehmen, da die gastgebende Familie erst vor kurzem ihren Gastronomiebetrieb aufgenommen hatte.

Der Komplex Riese bezeichnet ein Stollensystem mit Bunkeranlagen, in denen durch eine dreieckige Verbindung der einzelnen unterirdischen Anlagen ein Hochsicherheitskomplex für die politische und militärische Führung des Dritten Reichs geschaffen werden sollte, so unter anderem als sichere Alternative für das bekannte Führerhauptquartiert „Wolfsschanze“ in Ostpreußen. Der unterirdische Ausbau des Komplexes wurde ab Oktober 1943 zunächst unter der Leitung der Schlesischen Industriegemeinschaft AG, ab April 1944 von der Organisation Todt betrieben. Die Zwangsarbeiter wurden von den verschiedenen Außenlagern des KZs Großrosen abgegriffen, sodass geschätzt wird, dass ca. 20.000 Zwangsarbeiter eingesetzt wurden, von denen ca. 5.000 zu Tode kamen.
Eingedenk dieser speziellen historischen Situation und der noch immer nicht vollständig geklärten Forschungslage bezüglich der Bauabsichten und genauen Pläne, wurden wir von einem polnischen Führer bei dem Tunneleingang in der Nähe des schlesischen Dorfes Tannhausen willkommen geheißen. Dieser führte uns gemeinsam mit Renata, die für uns ins Deutsche übersetzte, durch die dunklen Stollen und Tunnel und erläuterte die gewaltigen Dimensionen dieser Anlage. Die teilweise nur in gebeugter Körperhaltung passierbaren Durchgänge folgten auf mehr als 10m hohe Tunnel; zum Teil schauerliche Orte offenbarten sich so der Gruppe aus Bonn, die auch so manch eine Filmrequisite von verschiedensten Produktionen innerhalb der Tunnel besichtigen konnte. Der nächste Tag, der dritte dieser Reise, begann mit einer Fortführung einer Herrn Studt liebgewonnenen Tradition: der Besuch des Kindergartens im Schloss von Muhrau sowie das Überreichen von Geschenken für die kleinen i-Dötzchen – eine für alle Seiten schöne Begegnung. Direkt danach ging es zur Friedenskirche nach Schweidnitz, der größten Fachwerkkirche Europas. Der evangelische Kirchenbau in Schweidnitz war nach dem Westfälischen Frieden 1648 gemeinsam mit dem Bau der Friedenskirche von Jauer beschlossen worden, um der protestantischen Gemeinde im katholischen Habsburgerreich, zu dem Schlesien bis zu den Schlesischen Kriegen 1742 gehörte, einen Ausgleich zu geben. Die Besonderheit war die Auflage, nur „minderwertiges“ Baumaterial wie Holz, Lehm und Stroh benutzen zu dürfen, was die Bauherren jedoch nicht als Hinderungsgrund für die Errichtung einer monumentalen Kathedrale nahmen, die sie auch noch heute ist.
Von außen wirkt sie fast ein bisschen unscheinbar, von innen jedoch erschlägt sie den Betrachter förmlich mit ihrer gewaltigen Größe und der Menge an Sitzplätzen, Logen und Gebetsnischen – ein Erlebnis, das so sicher nicht mit jeder Kirchen vergleichbar ist. Um die Friedenskirche herum gruppiert sich der ehemalige Friedhof, der weit in die Vergangenheit zurückreicht und ganze Familienzweige aus der deutschsprachigen Vergangenheit – einer schwer fassbaren Vergangenheit – sichtbar macht.
Ebenfalls ein Kernbestandteil jeglicher Niederschlesienexkursionen aus Bonn ist der Besuch der Stiftung Kreisau, in der das Erbe der Widerstandsbewegung „Kreisauer Kreis“ bewahrt und aufgearbeitet wird. So wird der Gutshof mit Herrenhaus der Familie Moltke mit Seminar- und Veranstaltungsräumen sowie einem Hotelbetrieb einerseits in der Gegenwart gehalten und zum anderen durch den großen Museumskomplex mit seinem (schweren) Erbe am Leben erhalten. Wie schon zuvor, führte uns Dominik Kretschmann durch die neu konzipierte „Freiluftausstellung“, die durch große Metallwände die enge Verflechtung des Ortes mit dem Kreisauer Kreis und der Geschichte des Nationalsozialismus deutlich machte, aber auch das fortbestehende Interesse an der Erforschung des polnischen Widerstands in der Zeit der Sowjetunion betonte.

Der Rundgang, der durch viele Debatten und Nachfragen seitens der Bonner Gruppe geprägt war, leitete zum Abschluss des Tages zum Berghaus, dem etwas außerhalb des Gutshofes gelegenen Rückzugsort der Familie Moltke, in der die Besichtigung bei einer Kaffee- und Kuchenpause mit anschließendem Dokumentationsfilm über den Kreisauer Kreis beendet wurde. Das Berghaus, das als „lebendiger“ Erinnerungsort gilt, schließlich wohnen hier einige der Museums- und Stiftungsmitarbeiter, prägt auch hier den Grundsatz der Stiftung Kreisau, die historische Begegnungs- und Erfahrungsstätte im Sinne Helmuth James Graf von Moltkes nicht nur in Erinnerung, sondern auch am Leben zu erhalten.
Abgerundet wurde der Tag mit der abendlichen „Erzählstunde“ der „Schlossherrin“ Melitta Salai, die aus ihrem ereignisreichen Leben zwischen Muhrau und Angola berichtete.
Der nächste Tag hielt das große Paket „Breslau“ bereit, welches wir durch den Besuch des Rundgemäldes der Schlacht von Racławice, des Nationalheiligtums der Polen, öffneten. Das Panoramabild zeigt den Sieg der polnischen über die russische Armee 1794 in der Schlacht bei Racławice unter Führung des polnischen Generals Tadeusz Kościuszko und wurde 1894 fertiggestellt. Das Rundgemälde, seit der Eingliederung Polens in das Sowjetreich ein Politikum, wurde sodann erst im Zuge der sich abzeichnenden Auflösung der UdSSR 1985 wieder ausgestellt. Nach der Besichtigung des Rundgemäldes besuchte die Gruppe die Dominsel Breslaus, welche Ausgangspunkt für die ausführliche Stadtbesichtigung Breslaus mit all seinen Kathedralen und zentralen Plätzen wurde. Weiterhin wurde die Breslauer Universität mitsamt seinem nun komplett restaurierten Musiksaal sowie Festsaal besucht, die uns einen Eindruck über die große Bedeutung der Universität im ehemaligen Reich gab. Anschließend begab sich die Gruppe zur Uni-Mensa, die mit ihrem reichhaltigen Angebot niemanden unbedacht ließ. Ein zweistündiger individueller Verdauungsspaziergang ermöglichte den Teilnehmern weitere Ecken Breslaus zu erkunden, wie z.B. die alten Markthallen oder das Oder Ufer.
Als nächster Gruppentreffpunkt war der große Marktplatz mit Rathausbesichtigung geplant, der Kern des historischen Breslaus. Der weitere Gang zu der ehemaligen Synagoge offenbarte dann jedoch eine Überraschung: Renata traf zufällig den mit ihr befreundeten Vorsitzenden der Synagogengemeinschaft und dieser war bereit uns in die meist geschlossene Synagoge hereinzulassen – ein Besuch, der sich allein wegen der beeindruckenden Architektur lohnte! Nun stand uns der letzte Abend in Muhrau bevor und es war für Herrn Studt Zeit, einige wenige Worte des Dankes an Renata zu wenden und ihr das in Bonn allgegenwärtige Uni-Sweatshirt zu überreichen. Der Abend klang danach in wohlbekannter Art aus, doch der Tag der Fahrt zurück in die Heimat versprach durch den Besuch der Hubertusburg in Sachsen ebenfalls sehr interessant zu werden.
Nach wenigen Stunden waren wir also in Sachsen, um genau zu sein, in dem ehemaligen Jagdschloss des sächsischen Kurfürsten Friedrich August I. In ihm wurde der „Friede von Hubertusburg“ am 15.02.1763 unterzeichnet, welcher den Siebenjährigen Krieg beendete. Das Schloss, geplündert und gebrandschatzt durch die Preußen während des Siebenjährigen Krieges, trägt obgleich seiner äußeren Schönheit und Eleganz im Inneren jedoch immer noch die Schäden dieser Zeit davon. Nur wenige Räume sind in ihrem Originalzustand verblieben, die meisten sind schon durch die Preußen zerstört worden.

Der uns durch die Räume leitende Führer machte so auf die Nutzungsgeschichte des Schlosses aufmerksam, welches zumeist eine Anstalt für Erkrankte war, so z.B. während der Völkerschlacht bei Leipzig von der mehrere Tausend Verwundete in der Hubertusburg behandelt wurden, wobei 7.000 bis 13.000 starben.
Nach der gelungenen Führung und den letzten schönen Impressionen ging die Fahrt nach Bonn weiter, welches wir in der späten Nacht erreichten. Hinter uns lag eine ereignisreiche Exkursion, die nicht nur das Erlernte veranschaulichen und vertiefen sollte, sondern auch ganz unterschiedliche Akzente setzte und eine angenehme Auflockerung des Programms bewirkte. Dass die Fahrt auch ein viertes Mal stattfinden soll, ist ein positives Signal für die Bonner Historiker, welche diese Chance unbedingt wahrnehmen sollten.

 
 
Flandern - 11. März 2015
Flandern-Exkursion 11. März 2015

Die diesjährige Exkursion des Fördervereins Neuere Geschichte stand ganz im Zeichen des Gedenkens an die 100. Wiederkehr des Ausbruchs des 1. Weltkrieges. Die 30 mitgereisten Vereinsmitglieder erhielten auf der zweitägigen Fahrt nach Flandern einen eindrucksvollen Blick auf die Geschehnisse im nördlichsten Abschnitt der damaligen Westfront und den Schrecken des Stellungskrieges, dem die Soldaten auf beiden Seiten der Front zwischen Sommer 1914 und Herbst 1918 ausgeliefert waren.

Um einen ersten grundlegenden Überblick über die Kampfhandlungen und den Frontverlauf im Jahr 1914 zu bekommen, führte die erste Station der Exkursion zum Yserturm in Diksmuide. Der rund 80 m hohe Turm, in dem sich ein umfangreiches Museum zu den politischen, gesellschaftlichen und militärischen Aspekten des 1. Weltkrieges befindet, liegt unmittelbar am Fluss Yser und ist heute ein Mahnmal für die zwischen 1914 und 1918 gefallenen flämischen Soldaten der belgischen Streitkräfte. Während der Ersten Flandernschlacht, die insgesamt Verluste von mehr als 100.000 Gefallenen auf beiden Seiten forderte, hätte der Yserturm im unmittelbaren Frontverlauf gelegen. Oberst i.G. Dr. Winfried Heinemann, Chef des Stabes im Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr, der die Exkursion begleitete, erläuterte die militärischen Strategien und Überlegungen der verantwortlichen Befehlshaber. Das Ziel der deutschen Führung, das britische Expeditionskorps von seinen Nachschublinien abzuschneiden, konnte zwar unter massiven Kraftanstrengungen verhindert werden, dennoch manifestierte sich in den Folgen der Ersten Flandernschlacht der Grabenkrieg, der bis 1918 von keiner Seite durchbrochen werden konnte. Ergänzt wurden die Ausführungen von Dr. Heinemann durch einen Kurzvortrag von Anke Luise Weingärtner, die die medizinische Versorgung der durch die Wirkung der modernen Waffen des 1. Weltkrieges und den Gaseinsatz hervorgerufenen Kriegsverletzungen aufzeigte.

Der nächste Halt führte die Exkursionsgruppe zum deutschen Soldatenfriedhof Langemark. Dr. Christoph Studt, Universität Bonn, der in seinem Vortrag die Entstehungsgeschichte des Friedhofs skizzierte, ging in seinen Ausführungen auch auf den „Mythos Langemark“ ein, wonach hier vor allem junge Kriegsfreiwillige bestattet seien, die, wie die Oberste Heeresleitung glauben machen wollte, „unter dem Gesange ‚Deutschland, Deutschland über alles‘ gegen die erste Linie der feindlichen Stellungen“ (Kommuniqué der OHL vom 11. November 1914) vorgegangen seien. Zu Recht sei Langemark heute als Mythos enttarnt, da nur ein Bruchteil der hier Gefallenen als Freiwilliger gedient habe und mitnichten direkt von Schulbank oder Hörsaal an die Front gekommen sei. Neben dem Gedenken an die mehr als 44.000 hier begrabenen deutschen Soldaten sei der „Opfergang von Langemark“ auch ein Beispiel dafür, wie die deutsche Öffentlichkeit nach Ende des Krieges in Teilen versucht habe, aus der Kriegsniederlage doch noch moralische Siege abzuleiten. Ergänzt wurde der Besuch des Friedhofs Langemark durch Besichtigung des „Tyne Cot Commonwealth War Graves Cemetery and Memorial of the Missing“ bei Passendale. Auf der weltweit größten britischen Friedhofsanlage ruhen rund 12.000 Soldaten. Zusätzlich sind knapp 35.000 Vermisste aufgeführt, denen eine namentliche Bestattung verwehrt blieb.

Zum Ende des ersten Tages kehrte die Gruppe in Brügge ein und traf sich hier zum gemeinsamen Abendessen und anschließendem Stadtbummel. Eine Führung durch den mittelalterlichen Stadtkern gab am zweiten Tag der Exkursion Prof. Dr. Joachim Scholtyseck, der darauf hinwies, dass Brügge das seltene Glück gehabt habe, von Kriegen oder größeren Bränden in seiner Geschichte nahezu komplett verschont geblieben zu sein. Nur so sei es möglich gewesen, dass zahlreiche Gebäude und Sehenswürdigkeiten auch heute noch im Original erhalten geblieben sind.

Einen Höhepunkt der Reise bildete die Besichtigung des Museums „In Flanders Fields“ in Ypern. Das moderne Museum in der Tuchhalle der während des 1. Weltkrieges komplett zerstörten und später wiederaufgebauten Stadt gab abermals einen eindrucksvollen Blick auf Kampfhandlungen in Flandern. Dabei zeigte es nicht nur die großen militärischen und politischen Zusammenhänge, sondern verdeutlichte auch den Alltag und den zu verarbeitenden Schrecken der Soldaten an der Front und der von den Kämpfen betroffenen Zivilbevölkerung. Im Anschluss folgte ein Besuch des Menen-Tors, das zum Gedenken an rund 55.000 vermisste Soldaten des Commonwealth errichtet wurde und heute eines der bekanntesten britischen Kriegerdenkmale ist. Eine abschließende Führung zu ehemaligen Stellungen und Schützengräben mit einer einheimischen Fremdenführerin bildete den Abschluss einer gelungenen Exkursion, die auch im kommenden Jahr eine Fortsetzung finden wird.